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Quartierfunk Notes #01 – Thermometer oder Thermostat

QFN #01 · 28.05.2026 · Lesezeit ca. 3 Minuten

Thermometer oder Thermostat: Was unsere Quartiere wirklich brauchen

Reihe: Notizen aus zehn Jahren Quartiersarbeit

Filip Egert · Geschäftsführer ANIMUS GmbH · 3 Min.3 Min.

Letzte Woche in Berlin, SmartLivingNEXT. Ich sitze in einem der Vorträge und schreibe einen Satz in mein Notizbuch, der mich seitdem nicht mehr losgelassen hat:

„Daten sind längst da. Was fehlt, ist der Mehrwert."

Der Satz beschreibt eine Lücke, die ich seit langem in unseren Quartieren beobachte. Sensoren, Apps, ERP-Systeme, IoT-Plattformen. Die Immobilienwirtschaft hat in den letzten Jahren mehr Daten gesammelt, als sie verarbeiten kann.

Die jüngste ZIA/EY Digitalisierungsstudie bringt es auf den Punkt: 71 Prozent der Immobilienunternehmen halten ein durchgängiges Datenmanagement für strategisch relevant. Gleichzeitig nennen 75 Prozent mangelnde Datenqualität als zentrales Hemmnis. Und 79 Prozent fehlen die Leute, die diese Daten überhaupt in produktive Bahnen lenken könnten.

Noch nie waren Quartiere so messbar wie heute. Noch nie wussten wir so wenig damit anzufangen.

Auf der Heimfahrt habe ich für mich ein Bild gefunden, das die Lücke greifbar macht: Thermometer und Thermostat.

Ein Thermometer zeigt an. Es liefert eine Zahl, eine Kurve, ein Dashboard. Es macht sichtbar, wie warm es im Raum ist. Mehr nicht.

Ein Thermostat tut etwas anderes. Er nimmt dieselbe Temperatur, vergleicht sie mit einem Zielwert, entscheidet und handelt. Heizung an. Heizung aus. Aus Daten wird Verhalten.

Die meisten Plattformen, die ich heute in der Immobilienwirtschaft sehe, sind hochauflösende Thermometer. Sie zeigen brillant an. Sie entscheiden nichts.

Was unsere Quartiere in Zukunft meiner Meinung nach brauchen werden, ist die andere Seite. Einen Thermostat-Layer. Eine Schicht über den Daten, die priorisiert, entscheidet und Handlungen vorschlägt. Genau dort sitzt der Mehrwert, von dem auf der Bühne in Berlin die Rede war.

Wie sähe das konkret aus?

Stell dir den Quartiersmanager an einem ganz normalen Dienstagmorgen vor. Er kommt rein, öffnet den Laptop, und die fünf wichtigsten To-dos für sein Quartier stehen schon da. Sortiert nach Dringlichkeit, mit der Begründung dahinter, woher das Signal kommt.

Im Treppenhaus an der Ecke häufen sich Beschwerden, eine Bewohnergruppe hat im Community-Bereich auffällig oft Lärm thematisiert, die Paketbox am Südeingang läuft chronisch über.

Drei davon kann er in 30 Minuten klären. Zwei sind echte Entscheidungen, die er als Manager treffen muss.

Aber er beginnt seinen Tag mit einer priorisierten Liste, nicht mit der Frage „Wo schaue ich heute eigentlich überhaupt hin?".

Das ist für mich der Nordstern. Aus Daten Entscheidungen machen. Aus Entscheidungen Quartiere, in denen das Leben besser läuft, an einem ganz normalen Dienstag.

Genau mit diesem Nordstern haben wir uns übrigens mit dem ANIMUS Hub auf die Reise gemacht. Dazu mehr in Kürze.

Quelle: ZIA/EY Digitalisierungsstudie 2025, S. 15 und S. 24.

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Nächste Episode: QFN #02 erscheint am 11.06.2026.